BRD 1978

 

Wir sind sehr zufrieden, lobt Kurt Krauss, Hauptkommissar und Pressesprecher im Frankfurter Polizeipräsidium, ein kleines und handliches Gerät, das die Maschen für Schnellfahrer wieder ein bißchen enger macht.

Denn das neue Radargerät, entwickelt von der schweizerischen Elektronikfirma Multanova, läßt sich unauffällig in jedem beliebigen Personenwagen unterbringen und mißt - und das ist bislang ein Novum - sowohl den abfließenden als auch den entgegenkommenden Verkehr gleichermaßen zuverlässig.

Konnten bislang Schnellfahrer unbesorgt an auf der Gegenfahrbahn postierten Radarfallen vorbeifahren, ohne mehr als einen bösen Blick der machtlosen Beamten zu riskieren, so genügt beim neuen Multanova 5F das Umlegen eines Kippschalters, und das Gerät konzentriert sich unverzüglich auf den entgegenkommenden Schnellfahrer. Der abfließende Verkehr, so versichert die Polizei, wird gleichzeitig elektronisch ausgeblendet, Fehlmessungen seien somit ausgeschlossen.

Sichtbar für die Autofahrer ist lediglich noch die recht klein geratene Radarkeule und das Blitzlichtgerät, die auf der vorderen Stoßstange Platz finden. Der eigentliche Geräteteil des komplizierter Mechanismus sitzt im Handschuhfach, und links vom inneren Rückspiegel hängt eine Motorkamera der japanischen Firme Canon, die automatisch ausgelöst wird.

Derzeit verrichtet das einzige bisher in der Bundesrepublik zur Erprobung eingesetzte Multanova 5F den Dienst in einem zweitürigen Opel Rekord, der meist das amtliche Kennzeichen F-LJ 748 (für Zivilstreifenwagen besitzt die Polizei in der Regel zwei bis drei verschiedene Kennzeichen) trägt, von zwei Polizeibeamten in Zivil besetzt ist und im Frankfurter Großraum auf der Lauer liegt.

Weitere Geräte der neuen Radar-Generation sind bereits fest eingeplant. So will die Frankfurter Polizei in Kürze zwei weitere 5F Apparaturen einsetzen, andere Städte und Länder werden gleichfalls nachziehen und die häufig verwendeten und recht klobigen Multanova-Geräte der älteren Generation - meist im Vorderteil von VW-Bussen installiert - ablösen. Vorteil für die Polizei: Sie kann in beiden Richtungen exakt messen und zudem auf den Einsatz der recht auffälligen Busse verzichten.

In einigen Bundesländern, darunter vor allem Nordrhein-Westfalen, sind die meist blau oder grau lackierten Busse freilich längst nicht mehr üblich. Dort nämlich werden die Radargeräte Traffipax/Mesta einer franzosischen Firma verwendet, die sich gleichfalls mühelos in schlichten und zivil lackierten Personenwagen verbergen lassen. Nachteil: Mit diesen Geräten kann derzeit nur der abfließende Verkehr gestoppt werden.

Für Schnellfahrer brechen freilich auch in jenen Bundesländern mit Traffipax/Mesta-Bestückung schlechte Zeiten an ein Radargerät mit Meßvorrichtung in beide Richtungen ist dort gleichfalls in Vorbereitung. 

INFOBOX